Oct
27
2009

Unterwegs mit dem Zug

Ein richtiges Bahnnetz gibt es in Neuseeland nicht. Ueberhaupt ist der oeffentliche Personenverkehr mehr als schwach entwickelt und findet hauptsaechlich auf der Strasse statt.  Ich bin zwar nur ein Laie, aber meiner Meinung nach ist das eines der groessten Nachteile von Neuseeland und noch mehr von Auckland: es exisiert keine gutes, funktionierendes Nahverkehrssystem, welches von der Strasse entkoppelt ist.

Es gibt jedoch so eine Art Nord – Sued Verbindung von Auckland in die Hauptstadt Wellington (Entfernung auf der Strasse  ca. 650 km)  per Zug. Die Bahn laesst sich fuer die Strecke  12 h Zeit, was  fuer ein echtes Verkehrsmittel voellig inakzeptabel. Vielleicht wird der Zug Overlander daher als reiner Touristenzug angepriesen. Im Gegenteil zu Deutschland checkt man morgens beim Personal ein und erhaelt dort eine Sitzplatznummer. Weiterhin  gibt man  sein Gepaeck auf und unterwegst kann man in Pausen den Zug kurz verlassen

Eines vorweg: die zwoelf Stunden in der Huschebahn werden verdammt lang. Ausserdem tut einem nach drei  Stunden die Kiste weh. Die Landschaft mag vielleicht in den ersten paar Stunden beeindrucken, es faellt jedoch sehr schwer nicht einzuknacken. So hab ich wohl gut und gerne 4 Stunden gepennt und nichts ab der Station National Park mitbekommen. Die Schienen wecken Erinnerung an die Strecke Wismar – Rostock vor 15 Jahren, so kaputt und rucklig ist die Fahrt. Dazu kommen noch die vielen Kurven. Kein Wunder das die Kluesen zufallen ! Ich war wirklich froh einen Flug zurueck gebucht zu haben.

National Park [DSC_2617.JPG]

Die Strecke ist elektrifiziert. Natuerlich nur teilweise, wie frueher in der DDR. So wird ab Hamilton die Diesellok gegen eine Elektrolokomotive ausgetauscht. Im Sueden, 1.5 Stunden vor Wellington  war dann Schluss mit den Oberleitungen und es wurde wieder eine Diesellokomotive vorgespannt. Das freut nur den beinharten Eisenbahn-Fan. Jeden deutschen Modelleisenbahner haette es die Schamesroete ins Gesicht getrieben, wenn auf seiner Modelleinbahnanlage auch nur der Lokschuppen nicht elektrifiziert waere !

DSC_2613.JPG

Es fehlen bloss noch patzige  Schaffner, um das DDR Feeling zu komplettieren. Das Personal an Bord ist jedoch sehr freundlich, was auch nicht anders zu erwarten war. Auf der Strecke kommentiert jenes Personal wichtige Highlights: Hier wohnt ein ehemaliger All Blacks Star. Hier wohnt ein ehemaliger Premier Minister. Hier wohnt der derzeitige Schaf-Scher Champieon Neuseelands ( 20 Schafe in weniger als 15 min).

Die Ankunft in Wellington ist ziemlich beeindruckend. Man faehrt fast direkt an der Kueste entlang und wenn das Wetter passt, kann man die Suedinsel sehen ! Auf den letzten Metern passiert man das Faehrterminal, von wo die Faehren auf die noch bessere Haelfte Neuseelands ablegen.

Sehenswert in Wellington ist vor allem das Nationalmuseum Te Papa. Weitere Gruende die Stadt zu besuchen, sind eine Faehre auf die Suedinsel zu besteigen oder einen neuen Reisespass in einer der hiesigen Botschaften zu beantragen.

Te Papa [DSC_2664.JPG]

Wellington ist aus anderen Gesichtspunkten interessant, mit den man sich vielleicht nur beschaeftigen sollten, wennn man gerade nicht in Wellington ist. Wellington liegt quasi  auf  zwei unteschiedlichen Platten liegt und ist extrem erdebengefaehrdet. Einer meiner Kollegen hat frueher als Bauingeneur garbeitet und eine Studie ueber Wellington im Falle eines Erdbebens verfasst.  Was mir berichtet wurde, ist ziemlich haarstrauebend. Es lief darauf hinaus ,das sich mein Kollege in Wellington gelaendigefaehige Quads in einer erdbeebensicherichen Garage gestellt hat,  immer einen Notvorrat vorgehalten hat und spaeter aus der Region weggezogen ist.

Die Zugfahrt kostet ab 89 $ und ein Rueckflug gibt es auch ab 89 $ mit Air New Zealand.  Rechtzeitiges Buchen ist fuer Zug und Flugzeug empfehlenswert.

Written by mirko in: New Zealand |

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